Reflexionsfähigkeit in der Erziehung – Wieso ist das wichtig?

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In diesem Artikel erklären wir dir warum Reflexionsfähigkeit in der Erziehung und darüber hinaus sehr wichtig ist. Dazu gehören folgende Themen:

  • Was Reflexionsfähigkeit/Selbstreflexion ist
  • Welche Vorteile diese Fähigkeit für dich bereitstellt
  • Die positiven Auswirkungen auf deine Erziehung
  • Wie du deine Kinder bei der Entwicklung dieser Fähigkeit unterstützt

Warum ist Reflexionsfähigkeit so wichtig?

In Zeiten von personalisierter Online-Werbung und einem schier unendlichen Überangebot an Möglichkeiten, nimmt die eigene Reflexionsfähigkeit einen immer wichtigeren Stellenwert ein. 

In Europa wird man in der heutigen Zeit beispielsweise nicht mehr in eine jeweilige „Kaste“ geboren. Du musst dich deinem weiteren  Lebensweg auch nicht fatalistisch ergeben. Nein. In unserer Leistungsgesellschaft sollen Macht, Einkommen und Ansehen an Menschen zugeschrieben werden, die entsprechende Leistung erbringen. Eine scheinbar freie Wahl des individuellen Lebensweges wird suggeriert. Mit dieser breitgefächerten Auswahl an Möglichkeiten, erwächst jedoch auch eine große Verantwortung. Welchen Weg, welche Angebote, welchen Freundeskreis oder welches Lebensmodell möchte ich mir zueigen machen?

Denk nur an die alltäglichen Konsumprodukte! Auch hier wird die unendliche Auswahl deutlich. So kann der Shampooeinkauf zu einer langwierigen Prozedur werden. Aus diesem Grund  greifen viele Menschen ganz unterbewusst zu Produkten, die sie bereits aus der Werbung kennen. Doch ist genau dieser Artikel der Richtige für mich selbst? 

Was ist Selbstreflexion? 

Hier kommt die eigene Reflexionsfähigkeit in Spiel. 

Selbstreflexion bedeutet

  • inne halten,
  • einen gedanklichen Schritt zurücktreten
  • und seine eigenen Handlungen hinterfragen.

Dieser Perspektivwechsel ermöglicht es oftmals seine eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen.

Habe ich das Shampoo nun wirklich gewollt? Bin ich nur von der Werbung verleitet worden? Habe ich nicht schon drei verschiedene Shampoos zu Hause?

Eine ausgeprägte Fähigkeit zur Selbstreflexion bietet zudem weitere Vorteile

  • Veränderungen lassen sich besser bewältigen.
  • Erfahrungen dienen dazu, dass du dich weiterentwickelst.
  • Eigene Stärken und Schwächen werden dir bewusster.
  • Du lässt dich nicht so leicht von anderen Meinungen aus der Bahn werfen.
  • Dein Selbstvertrauen wächst, weil du eigene fundierte Ansichten vertrittst.

Wieso Selbstreflexion für dich sinnvoll ist

Durch Selbstreflexion bleibst du nicht in den angelernten Handlungsmustern stecken. Du entwickelst dich kontinuierlich weiter.

Zudem lernst du auf deine eigenen Bedürfnisse zu achten. Dadurch wirst du nicht mehr so stark von Äußerlichkeiten geleitet.

Dieser Prozess stärkt zum einen das Selbstbewusstsein und zum anderen das Selbstvertrauen, da du dich selbst in deiner Ganzheitlichkeit annimmst.

Ein wichtiger Aspekt in Zeiten, wo der Konsum oftmals als Ersatzbefriedigung für fehlende Anerkennung und Wertschätzung angesehen wird.

Selbstreflexion ist also eine wichtige Fähigkeit, um sich im Leben weiterzuentwickeln und sich nicht zu stark von Äußerlichkeiten beeinflussen zu lassen. 

Auch in deiner Erziehung spielt die Fähigkeit zur Selbstreflexion eine wichtige Rolle!

Die Wichtigkeit von Reflexionsfähigkeit in der Erziehung

Die genannten Vorteile wirken sich natürlich auch positiv auf die Erziehung deiner Kinder aus.

Die Entwicklung der Kinder ist geprägt von stetigen Veränderungen. Du musst dich ständig auf neue Phasen und Verhaltensweisen einstellen und sie gemeinsam mit deinem Kind bewältigen. Niemand ist perfekt. So wirst du sicherlich schon viele positive wie negative Erfahrungen gesammelt haben. Doch wie damit umgehen? Viele Menschen lassen sich von negativen Erfahrungen und Meinungen von außen leicht aus der Bahn werfen. Ein reflektierter Elternteil tritt jedoch einen gedanklichen Schritt zurück und stellt sich folgende Fragen:

  • Was habe ich aus dieser Erfahrung gelernt?
  • Wie kann ich es in Zukunft besser machen?

Veränderung ist unaufhaltsam. Habe keine Angst davor, dass auch du dich veränderst und möglicherweise nicht mehr von deinem bisherigen Umfeld akzeptiert wirst! Habe den Mut dich auf Veränderung einzulassen!

Du dachtest du kannst nicht kochen und zauberst nun plötzlich jeden Tag das feinste Gericht auf den Küchentisch? Durch deine Kinder werden dir Stärken und Schwächen bewusst, die du vorher an dir nicht kanntest. Nimm sie wahr und akzeptiere sie!

Nicht nur deine Kinder entwickeln sich kontinuierlich weiter, sondern auch du! Selbstreflektierte Menschen nehmen diese Veränderung an. Dies kann folgende positive Auswirkungen auf die Erziehung haben:

  • Du bist ein besseres Vorbild! Deine Kinder spüren deine Begeisterung und Authentizität und lassen sich davon anstecken.
  • Festgefahrene Bahnen in der Erziehung werden durchbrochen! Es muss nicht alles so gemacht werden wie dir von außen eingeredet wird! Du wirst standhafter in deinen Ansichten!
  • Die Erziehung wird gelassener angegangen, da du selbstzufriedener und entspannter bist.

Selbstreflexion hat also viele Vorteile für dich, deine Erziehung und deine Kinder.

Da eine ausgeprägte Reflexionsfähigkeit von vielen Seiten wie der Werbung nicht gewünscht ist, liegt alles in deiner Hand!

Auch deine Kinder kannst du bereits im frühen Kindesalter bei der Ausprägung unterstützen!

Grundsteine für die Selbstreflexion bei Kindern legen

Durch die Selbstreflexion entwickelt sich unter anderem die Fähigkeit sich seiner eigenen BedürfnisseStärken und Schwächen bewusst zu werden. Dieser Perspektivwechsel erfordert im Erwachsenenalter aber auch ein gewisses Maß an Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen.

Diese beiden Grundsteine lassen sich aber bereits schon im frühsten Kindesalter legen, wodurch später die Entwicklung der eigenen Reflexionsfähigkeit erleichtert wird. 

Nachfolgend werden wir dir fünf pädagogische Tipps für das Alter ab 2 Jahren geben, die an die Entwicklungspsychologie und an die Praxis angelehnt sind. Sie legen die Grundsteine für eine ausgeprägte Reflexionsfähigkeit. 

Vater mit seiner kleinen Tochter. Er verbessert sich gemeinsam mit ihr im Zeichnen und zeigt wieso Reflexionsfähigkeit in der Erziehung so wichtig ist.
Sich gemeinsam in die gleiche Richtung entwickeln

Fünf Tipps für Kinder ab 2 Jahren

Aus entwicklungspsychologischer Sicht, machen die Kinder zu dieser Zeit starke motorische Fortschritte und entdecken neugierig ihre Umwelt. Zudem entwickelt sich langsam das eigene „Ich-Bewusstsein“ und das Kind nimmt durch Rückmeldung die Umwelt wahr. 

Tipp 1:  Gib deinem Kind verschiedene Auswahlmöglichkeiten ohne es zu überfordern!

(z. B. Möchtest du heute Buch A oder Buch B anschauen? Zur Veranschaulichung verknüpfst du am besten die Kommunikation mit einem plastischen Gegenstand.)

Gefördert wird: Partizipation,„meine Meinung ist wichtig“, individuelle Wünsche erkennen, Selbstvertrauen

Tipp 2:  Besprich mit deinem Kind wiederkehrende Ereignisse!

(z.B. Wie ist das Wetter heute? Regen? Sonne? Wind? Wolken? Auch hier ist eine bildliche Veranschaulichung von Vorteil. Im Umkehrschluss können mit älteren Kindern auch verschiedene Punkte ausgeschlossen werden.

-> Heute ist es stark bewölkt. Die Sonne versteckt sich hinter den Wolken. -> Es ist nicht sonnig.)

Gefördert wird: Partizipation, Sprache, neuronale Verknüpfungen im Gehirn, Selbstvertrauen, Reflexionsfähigkeit 

Tipp 3:  Reflektiere aufkommende Emotionen mit deinem Kind!

(z.B. Das Kind weint, weil ein anderes ihm das Spielzeug weggenommen hat. Geh auf Augenhöhe zu deinem Kind und reflektiere die entstandenen Gefühle: „Ich verstehe, dass du traurig/wütend bist, weil X dir das Spielzeug weggenommen hat. Willst du zu X gehen und mit ihm reden?“)

Gefördert wird: Wahrnehmung und Einordnung einfacher Emotionen, Reflexionsfähigkeit, individuelle Ausdrucksfähigkeit, Selbstvertrauen

Tipp 4:  Dein Kind soll sein Umfeld frei erkunden dürfen! 

(z.B. Greif nicht ein, wenn dein Kind scheinbar „nichts“ macht. Es muss nicht immer das vorgefertigte Spielzeug sein. Kinder erforschen neugierig und experimentierfreudig ihre Umwelt mit alltäglichen Gegenständen. Sie bilden so ihre individuellen Stärken und Schwächen aus.)

Gefördert wird: Selbstwahrnehmung, neuronale Verknüpfungen im Gehirn, Selbstbewusstsein 

Tipp 5:  Geh auf die individuellen Interessen deines Kindes ein!

(z.B. Dein Kind bewegt sich sehr gerne? Es schaut sich gerne Bücher an? Komm diesen individuellen Bedürfnissen nach.)

Gefördert wird: Selbstakzeptanz „Ich bin ok, so wie ich bin“, Selbstvertrauen, Bedürfnisswahrnehmung, individuelle Stärken, Bindung 

All diese Tipps und deine eigene Fähigkeit zur Selbstreflexion tragen dazu bei, dass dein Kind selbstbewusst und behutsam aufwachsen kann! Wir wünschen dir viel Erfolg bei der Umsetzung und stehen bei Fragen natürlich gerne zur Verfügung.

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