Eltern sehen sich vielfältigen Erwartungen ausgesetzt. Eine davon lautet, dass ihre Kinder “mithalten” müssen. Lesen Sie hier alles über elterliche Ängste, den Einfluss der Werbung und das kindliche Spiel!

Eltern haben Ängste, Sorgen und Schuldgefühle 

Eltern sorgen sich natürlich um das Wohlergehen ihrer Kinder. Aus diesem Grund achten sie darauf, dass ihr Kind sich bspw. gesund ernährt und nicht zu viel Fernsehen schaut. Gleichzeitig sind viele Eltern oft von Schuldgefühlen geplagt, weil sie zu wenig Zeit für ihren Nachwuchs haben. Die Gründe hierfür sind sicherlich jeden bekannt: Die Ansprüche an Frauen werden von außen betrachtet immer größer. Sie sollen Karriere machen, den Haushalt schmeißen, für die Kinder eine gute Mutter sein und gleichzeitig eine harmonische und vorbildhafte Beziehung mit ihrem Partner führen. Durch diese gesellschaftlichen Sichtweisen erhöht sich natürlich auch der innere Druck der Frauen. 

Doch nicht nur sie, auch die Männer sind einem immer höheren Erfolgsdruck ausgesetzt. Wenn das erste Kind auf der Welt ist, möchten auch sie gute Väter und Vorbilder sein. Da sich über all die Jahrhunderte das Bild des männlichen Versorgers noch immer in ihren Köpfen verankert hat, leisten sie oft mehr Überstunden damit ihre kleine Familie finanziell versorgt ist. Doch mit jeder Überstunde verringert sich die gemeinsame Zeit mit der Familie. Das schlechte Gewissen wächst, obwohl man von außen betrachtet als Frau und Mann den Erwartungen gerecht wird! 

Familienleben

Es können bei vielen Eltern auch Schuldgefühle entstehen, wenn es in der Beziehung einfach nicht mehr passt und eine Trennung unausweichlich erscheint. 

Viele Fragen und Sorgen treiben Eltern um: Bin ich in der Lage, meinen Kindern eine bessere Zukunft zu bieten? Habe ich genügend Zeit für meine Kinder? Soll ich neben Musik mit dem Kind auch noch zum Babyschwimmen wie die Nachbarin? 

Die Werbung frohlockt bei all diesen Sorgen, Ängsten und Schuldgefühlen, denn so sind Eltern anfälliger für Kompensationskäufe. Der Spielzeugberg im Kinderzimmer wächst gleichsam mit dem schlechten Gewissen und das obwohl sie ihrem Nachwuchs vor übermäßigen Konsum schützen wollen. Eine verzwickte Situation. 

Werbung vs. Eltern 

Wie bereits oben erwähnt, wissen Werbeagenturen sehr wohl über die elterlichen Sorgen Bescheid. Doch da Kinder eine immer lukrativere Zielgruppe abbilden, setzen Marketingexperten alles daran das Verlangen nach dem neusten Produkt in Ihren Kindern zu wecken. 

Das Wort Kind gibt es übrigens gar nicht mehr im Werbejargon. Es wurde bspw. durch „Teens“  ersetzt. Wieso? Das Wort „Kind“ weckt bei vielen Menschen den Beschützerinstinkt. Kinder müssen sich noch vieles aneignen, wachsen und sich entwickeln. Für Erwachsene bedeutet das, Verantwortung für sie zu übernehmen und vorauszudenken. Mit dem Ersetzen des Begriffs umgeht man diesen emotionalen Aspekt einfach nüchtern.

Anerkennung durch Produkte 

Der Nachwuchs wird als kleiner Erwachsener behandelt, dem man seitens der Werbung weitreichende Kompetenzen wie Reflexionsfähigkeit zuschreibt aber andererseits darauf abzielt, dass er weiterhin mit einer kindlichen Naivität konsumiert. Dabei will die kindliche Werbung weder Neugier und Begeisterung wecken. Sie zielt auf den „Coolness“ Faktor ab! Nur mit Produkt X bist du richtig cool und anderen Kindern überlegen! 

Eltern werden in die Verantwortung gezogen

Die Kinder werden also von allen Seiten mit äußerlichen (Werbe)Reizen überflutet und im täglichen Konsumregen werden Sie als Eltern stehen gelassen! Es ist nicht verwunderlich, dass Sie einmal Luft zum atmen benötigen und Ihre Unzufriedenheit zum Ausdruck bringen wollen. Doch wenn Sie ihren Unmut kundtun, hagelt es Gegenwind! Es handelt sich um Tatsachen, dass die Werbung Ihre Kinder und Sie als Zielgruppe im Blick hat, doch bei kritischen Äußerungen werden Sie in die Verantwortung gezogen! Sie sind ja schließlich für die Erziehung verantwortlich! Das Kind wirft sich im Supermarkt schreiend zu Boden? Aha! Prompt werden Sie als Eltern abgestempelt, die nicht NEIN sagen können! 

Und wieder werden alle Erwartungen an die Eltern abgeladen! Doch wir möchten Sie an dieser Stelle aufbauen und Ihnen sagen, dass Sie alles richtig machen! Stehen Sie zu Ihren Entscheidungen und lassen Sie sich nicht jeden Schuh anziehen! 

Zum Abschluss möchten wir gemeinsam mit Ihnen noch einen Blick auf das kindliche Spiel werfen und wie es sich durch vorgefertigtes Spielzeug verändert. 

Das kindliche Spiel in Gefahr

Nach dem Kulturhistoriker Johan Huizinga ist das Spiel die Grundlage aller Kultur und Zivilisation. Durch das Spiel testen Kinder ihre Grenzen, sie experimentieren und entwickeln sich dadurch weiter. 

Dabei erforschen sie am liebsten ihre Umwelt mit alltäglichen Gegenständen. Wie rollt zum Beispiel eine Kugel auf einem Stück Holz? Wie laut oder leise ist es, wenn man mit dem Löffel auf dem Topf trommelt? Die Fantasie und Vorstellungskraft der Kinder ist dabei schier grenzenlos und sie entwickeln sich durch die Freiheit der eigenen Potenziale kontinuierlich weiter und finden immer neue Wege. 

Die Einfachheit der Dinge erkennen

Vorgefertigte Spielzeuge hingegen verfolgen immer eine bestimmte Intension und der Fantasie wird wenig Raum gelassen. Das Kind zieht zum Beispiel an einer Schnur und das Spielzeug lässt eine Melodie erklingen. Das mag anfangs eine Weile spannend sein aber das Kind lernt schnell die Abfolge und benötigt neue Herausforderungen.

Es wurde auch festgestellt, dass Kinder umso überforderter und einfallsloser werden, umso mehr Spielzeuge sich in ihren Zimmern türmen. 

Der beste Weg führt wie immer durch die Mitte. Eine gute Balance zwischen „Freispiel“ und vorgefertigten (Lern)Spielzeug bietet Ihren Kindern eine gute Möglichkeit sich weiterzuentwickeln. 

Sie müssen Ihren Kindern also nicht alles kaufen, weil sie es gar nicht benötigen! Alles was die Kleinen brauchen ist ein geschützter Rahmen, in dem die Kinder ihre individuellen Potenziale frei und ohne Druck entfalten können!

Achten Sie auf sich selbst

Bei all den Erwartungen, dem Zeitdruck und den verschiedenen Anforderungen verlieren sich Eltern oftmals selbst aus den Augen. Sie funktionieren im Alltag nur noch für die Arbeit, ihre Familie und alle anderen. Wir möchten Sie ermutigen, wieder mehr auf sich selbst zu achten!

Nehmen Sie Abstand von all den äußerlichen Erwartungen und reflektieren Sie Ihren Standpunkt. Umso sicherer Sie sind, umso weniger äußerliche Einflüsse können Sie aus der Bahn werfen.

Fragen Sie sich auch, was Sie möchten! Sich von der Werbung Herumschubsen lassen und ein Konsumsklave sein? Oder möchten Sie eigene unabhängige und reflektierte Entscheidungen treffen und Ihren Kindern ein dementsprechendes Vorbild sein?

So oder so, wir möchten Ihnen und Ihrer Familie auf Ihrem Weg helfen!

Unser Wissen haben wir u.a. aus dem Buch “Die verkaufte Kindheit” von Susanne Gaschke”