In diesem Artikel möchten wir Ihnen eine Übersicht über die groben Entwicklungsschritte von Zwölf- bis Fünfzehnjährigen geben, die sich in folgende Bereiche einteilen: Äußerliche Veränderungen in der Pubertät, Gehirnentwicklung, Grobmotorik, geschlechtliche unterschiede bei geistigen Fähigkeiten, Selbstwertgefühl, Identität, Freundschaften und Cliquen. Dabei werden jeweils geschlechtliche Unterschiede thematisiert.

Willkommen in der Pubertät

Eingehend  mit den hormonellen Veränderungen wächst der Nachwuchs aus seinem kindlichen Körper heraus und nimmt immer mehr die äußerliche Form eines  Erwachsenen an. Der sogenannte Wachstumsschub bewirkt einen schnellen Zugewinn an Größe und Gewicht. Dies zeigt sich anfangs besonders deutlich bei Mädchen, die zu Beginn der Pubertät größer und schwerer als Jungs sind.

Mit ungefähr 14 Jahren dreht sich dieses Verhältnis aber um. Mädels sind im alter von ungefähr 16 bis 17 Jahren ausgewachsen, während dessen Jungs für diesen Prozess noch zwei weitere Jahre benötigen.

Die typischen Stimmungsschwankungen sind übrigens nicht erwiesenermaßen auf die hormonelle Umstellung zurückzuführen, sondern in den meisten Fällen sind sie eher durch veränderte Lebenssituationen wie im Elternhaus, Freundeskreis , Schullaufbahn zu finden. Die Heranwachsenden suchen ihren Platz im Leben und das kann durchaus auf die Stimmung schlagen. Durch diese Prozesse nabeln sich die Jugendlichen auch immer mehr von ihrem Elternhaus ab. Das führt möglicherweise auch zu einem vermehrten Anstieg an Konflikten

Jugendliche werden unabhängiger

Die Gehirnentwicklung ist noch lange nicht abgeschlossen

Die Reifung aller Hirnregionen kann bis zum 20. Lebensjahr andauern. Besonders in der Pubertät fehlt den jungen Heranwachsenden noch die Planungssicherheit. Auch kann es ebenfalls noch zu Fehleinschätzungen bei bestimmten Handlungen kommen. 

Selbst in dieser Entwicklungsphase gehen bis zu 30.000 Nervenverbindungen pro Sekunde verloren, wenn sie nicht benutzt werden. Doch nicht nur Nervenverbindungen kommen abhanden, sondern durch den Prozess der Umstrukturierung gehen im Gehirn Glücksbotenstoffe verloren, die sich Jugendliche durch den sogenannten „Kick“ wiederbeschaffen. 

Die Jugendlichen verwandeln sich übrigens aus einem bestimmten Grund in der Pubertät zu Langschläfern:  Das Schlafhormon wird in dieser Zeit erst zwei Stunden später ausgeschüttet. 

Geschlechtliche Unterschiede bei der Grobmotorik

Bei beiden Geschlechtern, ist eine stetige Verbesserung der Grobmotorik zu beobachten. Jedoch unterscheiden sich beide Seiten hinsichtlich der Entwicklungsmuster. 

Bei Mädchen sind Zuwächse eher langsam und flachen mit ungefähr 14 Jahren ab. Im Gegensatz dazu zeigen die Jungs in diesem Alter erst einen enormen Stärkezuwachs. Auch Geschwindigkeit und Ausdauer verbessern sich und dieser Trend setzt sich weiterhin fort. 

Mädchen sind – durch die geringere Kraft – deswegen auch den Jungs im Laufen, Weitsprung und Werfen unterlegen. 

Weitere Unterschiede bei geistigen Fähigkeiten

Mädchen und Jungen unterscheiden sich natürlich nicht in der Intelligenz aber beide Seiten haben  unterschiedlich ausgeprägte geistige Fähigkeiten, wie diese Übersicht darstellt:

Eigene Darstellung, vgl. Walter 2005

Geschlechtliche Unterschiede bei den Schulfächern entstehen häufig, weil bspw. Lesen als typisch weiblich und Mathe als männlich angesehen wird. Bei vielen haben sich diverse Glaubenssätze wie „Ich kann kein Mathe.“ über die Jahre verankert. 

Veränderungen im Selbstwertgefühl 

Eigene Darstellung, vgl. Berk 2011

Wie in der Grafik dargestellt, kommen in der Pubertät noch weitere Einflussfaktoren hinzu, die sich auf das Selbstwertgefühl auswirken. Die Entwicklung in dieser Phase bewirkt Gefühle von Stolz und Selbstsicherheit, was sich im allgemeinen positiv auf den Selbstwert auswirkt.

Trotzdem gibt es Unterschiede. Manche beurteilen sich in verschiedenen Bereich ähnlich positiv und wieder andere sind in einigen Bereichen absolut unzufrieden. Ist das Selbstwertgefühl in allen Bereichen sehr niedrig, zeigen sich auch oft Ängste, Depressionen und antisoziales Verhalten

Ähnlich wie in der mittleren Kindheit, wirkt sich auch in der Pubertät ein autoritativer Erziehungsstil positiv auf das Selbstwertgefühl aus. Ebenso wie Ermutigungen von Lehrern und nahen Verwandten und Bekannten. 

Sind an einen Jugendlichen jedoch zu viele Erwartungen geknüpft, verstellt er sich häufig, sieht sich selbst nicht als „echt“ an und verfällt so leichter einem schlechten Selbstwertgefühl

Außerdem wird davon ausgegangen, dass Mädchen in der Pubertät noch weniger Selbstbewusstsein haben, da sie sich mehr aus ihrem körperlichen Aussehen machen und unsicherer in ihren eigenen Fähigkeiten sind. 

Die Entwicklung einer eigenen Identität 

In der Pubertät entwickeln die Jugendlichen auch eine individuelle Identität.

Junge Heranwachsende, die direkt nach der Schule einen Beruf ergreifen, legen in der Regel ihre Selbstdefinition früher fest als solche, die eine Hochschule oder Universität besuchen, da es hier viele Möglichkeiten gibt sich selbst auszuprobieren. 

Bei dieser Entwicklung gibt es verschiedene Stadien, die wir nachfolgend kurz im Zusammenhang mit dem Selbstwertgefühl erläutern möchten:

  • Diffuse Identität: Der Jugendliche kann sich auf keinen Beruf oder auf keine Werte festlegen. Das Selbstwertgefühl ist i. d. R. niedrig. 
  • Moratorium: Der Jugendliche setzt sich zum aktuellen Zeitpunkt mit Berufs- und Wertefragen auseinander. Sein Selbstwertgefühl ist hoch. 
  • Übernommene Identität: Der Jugendliche schlägt die berufliche Laufbahn seiner Eltern ein und übernimmt auch deren Werte. Beim Selbstwertgefühl gibt es hier einen Unterschied bei den Geschlechtern. Während die Jungen bei dieser Identitätsform meist einen niedrigen Selbstwert haben, ist er bei den Mädchen hoch. 
  • Erarbeitete Identität: Der Jugendliche hat durch einen Lernprozess seinen eigenen Berufswunsch gefunden und eigene Werte definiert. Sein Selbstwertgefühl ist sehr hoch. 

Umso mehr sich Jugendliche in verschiedenen Bereichen ausprobieren können, umso mehr wird die Identitätsentwicklung gefördert. 

Viele unterschiedliche Gedanken

Freundschaften rücken in den Mittelpunkt 

 Die Jugendlichen fühlen sich in der Pubertät am besten, wenn sie mit ihren Freunden Zeit verbringen. 

Dabei sinkt die Anzahl der „besten Freunde“ von ungefähr vier bis sechs in der frühen Phase der Pubertät auf ein bis zwei Freunden im Erwachsenenalter.

Was sind die wichtigsten Merkmale einer Freundschaft für Jugendliche?

  • Intimität: Psychische Nähe, Verständnis, Vertrauen 
  • Loyalität: Verlässlichkeit, Einsatzbereitschaft in brenzligen Situationen

Wie wichtig Freundschaften in der Pubertät sind: 

  • Bei engen Freundschaften entsteht die Möglichkeit, sich selbst zu entdecken und ein tiefes Verständnis für sein Gegenüber zu entwickeln. 
  • Sie bilden die Grundlage für spätere intime Beziehungen
  • Der gegenseitige Austausch hilft dabei, aufkommende Schwierigkeiten in der Pubertät zu meistern. 

Geschlechtliche Unterschiede bei Freundschaften

Eigene Darstellung, vgl. Walter 2005

Cliquen sind die neuen Gruppen

Das Bedürfnis nach Gruppenzugehörigkeit in der mittleren Kindheit setzt sich in der Pubertät fort. Nun sind es die sogenannten Cliquen, in denen sich die Jugendlichen besonders wohl fühlen. 

Merkmale dieser Gruppen sind: 

  • Ungefähr fünf bis sieben Mitglieder
  • Ähnlicher Familienhintergrund
  • Gleiche Einstellungen und Wertvorstellungen 
  • Es gibt in jeder Gruppe bestimmte Rollen, die eingenommen werden wie Streber, Nerd, Anführer

In der frühen Pubertät besteht eine Clique eher aus gleichgeschlechtlichen Mitgliedern. Im Laufe der Jahre wird die Gruppe jedoch immer gemischter.

 Unser Wissen haben wir aus Laura E. Berks Buch der Entwicklungspsychologie und Melitta Walters Buch Jugen sind anders, Mädchen aber auch.