In diesem Artikel möchten wir Ihnen eine Übersicht über die groben Entwicklungsschritte von Drei- bis Sechsjährigen geben, die sich in folgende Bereiche einteilen: Gehirnentwicklung, Grob- und Feinmotorik, Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Selbstwertgefühl und Emotionen. Dabei werden jeweils geschlechtliche Unterschiede thematisiert.

Die Gehirnentwicklung 

Im Alter von 3 bis 6 Jahren ist besonders die rechte Gehirnhälfte sehr aktiv! Diese Seite seht für den rationalen Teil in uns. 

Im Alter von 4 Jahren vernetzen sich die Gehirnregionen besonders schnell. Dies führt dazu, dass die Vorschulkinder eine Vielzahl an Fertigkeiten wie Aufmerksamkeit, körperliche Koordination, Gedächtnis, Sprache, logisches Denken und Vorstellungskraft verbessern. 

Durch die ausgezeichnete Vernetzung zu dieser Zeit, wird auch das räumliche Denken geschult. Die Kinder finden spielend den Weg von A nach B und erkennen geometrische Formen. 

Sie können durch die sprachliche Entwicklung nun auch ihre Bedürfnisse und Wünsche immer mehr in verbalisierter Form ausdrücken. 

Geschlechtliche Unterschiede bei der Gehirnentwicklung

Das weibliche Gehirn entwickelt sich aufgrund des Hormons Östrogen schneller als das von Jungen. Zudem sind beide Gehirnhälften von Mädchen zu dieser Zeit schon besser miteinander verknüpft, sodass sie bspw. Puzzles mit dem Einsatz von beiden Hirnhälften lösen. Die Gehirnentwicklung ihrer männlichen Kollegen schreitet wegen dem Testosteron viel langsamer voran. Dies macht sich besonders in der linken Gehirnhälfte bemerkbar. Die linke Seite versucht leider immer vergeblich eine Verbindung zur rechten Gehirnhälfte herzustellen. Da dies aber erst mit späteren Jahren wirklich gelingt, liegt auch hier ein Erklärungsansatz wieso Mädchen immer als „weiter“ gelten und Jungs in diesem Alter als sehr impulsiv beschrieben werden. Es liegt eine einfache entwicklungspsychologische Erklärung zugrunde. 

Geschlechtliche Unterschiede

Kleiner Exkurs zum Hemisphärenmodell:

Grundidee dieses Modells ist die Annahme, dass beide Gehirnhälften unterschiedlich spezialisierst sind. So steht die linke Seite für das Rationale und die rechte Seite für das Emotionale. Konkret verarbeitet also die linke Seite sprachliche, analytische und logische Prozesse, während sich die rechte Gehirnhälfte musischen, kreativen, intuitiven und emotionalen Prozessen widmet.

Entwicklung von Grob- und Feinmotorik

An dieser Stelle möchten die Entwicklungsschritte in einer übersichtlichen Tabelle darstellen. Als Quelle verweisen wir hier auf Laura E. Berks Buch der Entwicklungspsychologie. Wichtig is uns jedoch, dass es sich nur um grobe Richtwerte handelt, da jedes Kind anders ist! 

Grobmotorik 

Grobmotorische Entwicklung

Feinmotorik

Feinmotorische Entwicklung

Geschlechtliche Unterschiede bei der Grob- und Feinmotorik

Aufgrund des Fortschritts bei der Gehirnentwicklung haben Mädchen einen Entwicklungsvorsprung in vielen Bereichen wie Hüpfen und Balancieren. Jungs können sich jedoch durch ihre körperliche Überlegenheit bei Aufgaben profilieren, die Kraft erfordern wie zum Beispiel Klettern. Mit Beginn der Schulzeit verliert sich der Entwicklungsvorsprung der Mädchen jedoch. 

Die Entwicklung der Aufmerksamkeit

Bei einfachen Aufgaben können sich die Kinder für kurze Zeitspannen sehr gut konzentrieren. Dies zeigt sich deutlich beim Suchen von Gegenständen am Spielplatz oder bei sogenannten „Wimmelbüchern“. Bei komplexeren Aufgabenstellungen fehlt ihnen jedoch noch die kognitive Verknüpfung und die Weitsicht. Die Kleinen können noch keine angemessene Reihenfolge der jeweiligen Handlungsschritte erstellen und lassen sich so leicht ablenken. 

Wie sich das Gedächtnis entwickelt 

Die Wiedererkennungsfähigkeit in dieser Altersstufe ist überragend! (Wimmelbücher!) Das Erinnern fällt ihnen jedoch schwerer, weil das Gehirn noch keine Strategien dafür entwickelt hat. Jedoch üben sich Vorschulkinder durchaus darin solche Gedächtnisstrategien anzuwenden. Sie stoßen aufgrund des begrenzten „Arbeitsspeichers“ mit zu vielen Informationen von außen und der gleichzeitigen Abrufung der Gedächtnisstrategie aber schnell an ihre Grenzen. Das Kind entwickelt aber von selbst sogenannte Skripte und schult so sein Erinnerungsvermögen. Diese Skripte zeigen sich in dieser Altersstufe auf simple Art. Ein Dreijähriger beschreibt den Besuch im Restaurant folgendermaßen: „Man geht hinein, bekommt Essen, isst und bezahlt dann.“ Erst nach und nach werden diese Skripte erweitert und komplexer. 

Die Entwicklung des Selbstwertgefühls 

Beim Selbstwertgefühl beurteilen wir und natürlich auch die Kinder unseren eigenen Wert und die Gefühle, die mit einer Beurteilung entstehen. Warum das so wichtig ist? Weil die Beurteilung unserer eigenen Kompetenzen und unserer Emotionen unser Verhalten und somit auch unser Handeln beeinflusst. Im Alter von vier Jahren sind bei Vorschulkindern schon verschiedene Arten des Selbstwertgefühls erkennbar. Sie gründen zum Beispiel auf guten Leistungen im Kindergarten, auf gemeisterte Herausforderungen, auf den Gewinn neuer Freunde und vieles mehr. Das Verständnis in diesem Bereich ist natürlich noch nicht so hoch wie bei älteren Kindern und die Kleinen in dieser Altersstufe überschätzen ihre eigenen Fähigkeiten häufig. Ein hohes Selbstbewusstsein trägt sehr zur Eigeninitiative eines Vorschulkindes in einer Zeit bei, in der es viele neue Fertigkeiten erlernen muss. Trotzdem geben viele Kinder in dieser Altersspanne sehr schnell auf, wenn sie vor schweren Herausforderungen stehen. Wie sie die Kleinen dabei aber trotzdem unterstützen können, lesen Sie in diesem Artikel. 

Starkes Selbstwertgefühl

Einschätzung von Emotionen 

Im Alter von zwei und sechs Jahren gewinnen Kinder ein besseres Gefühl der eigenen Emotionen und der Gefühle anderer. Mit 4-5 Jahren können sie bereits die Ursachen grundlegender Emotionen richtig beurteilen. Die Vierjährigen wissen auch bereits, dass ein wütendes Kind auch jemanden schlagen könnte und ein gut gelauntes Kind eher gewillt ist, das Spielzeug zu teilen. Außerdem verstehen sie bereits, dass Denken und Fühlen zusammenhängt. Kinder sind nur überfordert, wenn das Gegenüber widersprüchliche Ausdrücke zeigt. Wenn man einem Kind z. B. ein Bild präsentiert, auf dem ein Kind mit einem Lächeln und einem kaputtgegangenen Fahrrad zu sehen ist, neigen die Kinder im Alter von 4 bis 5 Jahren zu folgender Antwort: „Das Kind freut sich, weil es gerade Fahrrad fährt.“ Sie verlassen sich also eher auf den Emotionsausdruck und fassen nicht das Ganze in den Blick. Erst ältere Kinder versuchen, beide Aspekte miteinander zu verbinden. 

Gefühle erkennen

Unser Wissen haben wir aus Laura E. Berks Buch der Entwicklungspsychologie und Melitta Walters Buch Jungen sind anders, Mädchen aber auch.