Das Brettspiel „SCHOTTERBANDE“ von Three Coins soll GrundschülerInnen den spielerischen Einstieg ins Geldleben erleichtern. Ob der Titel dem gerecht wird? Das erfahrt ihr hier bei uns!

Wichtig: Wir haben uns den Early Prototyp unter die Lupe genommen! Mögliche kleinere Änderungen können noch möglich sein. 

Zudem kann das Spiel in mehreren Varianten gespielt werden, die wir – zur Einfachheit – an dieser Stelle nicht aufgegriffen haben. 

Wer sind Three Coins?

Und warum das wichtig ist? Ganz einfach! Three Coins ist ein österreichisches Sozialunternehmen, das Finanzbildungsprojekte entwickelt und umsetzt. Mit Hilfe von individuellen Workshops, einer Finanz-App und vielem mehr, haben sie bereits seit 2018 über 6.500 Jugendliche finanzfit gemacht. Hier bündelt sich also geballtes Finanzwissen, das nur darauf wartet an die nächsten Generationen weiter gegeben werden zu können und genau dieses Unternehmen entwickelt derzeit eben besagtes Brettspiel. 

Konzipiert wurde es gemeinsam mit zahlreichen Eltern und Kinder, die das Spiel in der Vorversion testen konnten. 

Auch ich durfte bereits den Early Prototyp testen. Meine Gedanken stelle ich euch nun mit Hilfe des Finanzkidzchecks vor! 

Die Basics der SCHOTTERBANDE 

Wie bereits erwähnt, richtet sich das Brettspiel an Kinder ab 6 Jahren und bis zu vier SpielerInnen können mit von der (Finanz-)Partie sein, die zwischen 10 und 20 Minuten dauert. 

Es handelt sich dabei um ein kooperatives Gesellschaftsspiel, denn ihr agiert wirklich als Team, das über sich selbst hinaus wachsen muss! 

Fiese Schurken wollten nämlich das Geld der Stadt klauen und das muss natürlich verhindert werden! Nur mit Hilfe von (Finanz-)Superkräften, kann das verhindert werden. Zeit habt ihr dazu im Spiel 10 Tage und euer Ziel ist klar vor Augen: Jeden Schurken aus der Stadt jagen, der es auf den Geldbunker abgesehen hat! 

Die Spielfiguren von der SCHOTTERBANDE mit ihrer Heldenverwandlung
Und hier das böse Pendant zu den Helden: Die Schurken

Erfüllt das beiliegende Spielmaterial seinen (finanzbildenden) Zweck?

Die Spielanleitung der SCHOTTERBANDE zeigt….
…. hier liegt einiges dabei! (Quelle: Spielanleitung der SCHOTTERBANDE)

Im Zusammenhang mit den Spielfiguren werfen wir einen genaueren Blick auf die „Superhelden-Pässe“ und die beiliegenden Spielkarten. Um ein waschechter Superheld zu werden, braucht es nämlich die passende Ausrüstung. Die türkisen Felder auf dem Superhelden-Pass müssen dazu alle bestückt sein! 

Hier geht es also darum, dass sich die Kinder gut überlegen welche Ausrüstung sie kaufen, denn sie kosten unterschiedlich viel Taler und ihr habt am Anfang jeweils nur 8 Stück davon. Wer ganz viele Taler hat, kann sich auch die violetten „Super-Wunsch-Karten“ gönnen. Ob sie für das Spiel wirklich erforderlich sind? Findet es heraus!

So sah der Heldenpass ganz am Anfang aus
Und das ist seine aktuelle Form! (Quelle: Spielanleitung der SCHOTTERBANDE)

Wie ihr seht, haben Three Coins das Spiel bereits vereinfacht. Am ersten Bild seht ihr noch den Early Prototypen, den ich getestet habe und auf dem zweiten Bild die schlankere und aktuelle Version. 

Das finden wir gut, da bei dem größeren Superhelden-Pass – für uns – die (türkisen) Wunschkarten nur dazu dienten, schnell voran zu kommen und die Schurken einzukreisen. Sie waren also nur ein Mittel zum Zweck und wir haben schnell den Fokus verloren. Vorgesehen sind sie nämlich dazu, dass die Kinder sich mit materiellen Wünschen auseinandersetzen (Brauche ich das teure Skateboard oder reicht ein kostengünstigeres?). So lernen sie ihr Geld einzuteilen. Mit dem abgespeckten Heldenpass ist dieser Punkt auf jeden Fall gegeben. 

Unser Finanzkidzcheck der SCHOTTERBANDE

Ob die Helden das Geld der Stadt retten können?

Kategorie 1: Entwicklungspsychologische Aspekte 

Da sich die kognitive Aufmerksamkeitsspanne im Grundschulalter verbessert, finden wir die Spiellänge von ca. 15 – 20 Minuten sehr passend. 

Auch werden Materialien und Gegenstände ab dem Grundschulalter noch genauer unter die Lupe genommen. Da es bei der SCHOTTERBANDE um das Thema Geld geht, wirkt sich das positiv auf das Geldverständnis aus. 

Das Abwägen der nächsten spielerfordernden Schritte (Wie viel Geld habe ich noch zur Verfügung, damit ich mir etwas kaufen kann?) erfordert eine gewisse kognitive Weitsicht, die sich ebenfalls im Grundschulalter zu entwickeln beginnt und durch das Spiel gefördert wird. 

Durch die Rollenübernahme von „Helden“ und „Schurken“, wird eine emotionale Bindung hergestellt. Der Lerneffekt fällt größer aus, da Kinder besonders viel Lernen, wenn sie zu etwas oder jemanden einen emotionalen Bezug haben. 

Da sich das Langzeitgedächtnis in diesem Alter auch vergrößert und das Wissen besonders durch Wiederholungen verfestigt, sollte das Spiel öfter gespielt werden. 

Aus entwicklungspsychologischer Sicht finden wir es auch gut, dass in diesem Spiel sehr auf Kooperation und Teamplay gesetzt wird. Im Grundschulalter sinkt das Selbstwertgefühl – durch Vergleiche – auf natürliche Weise und hier wird mit dem kooperativen Ansatz gekonnt entgegen gewirkt. 

Unter Berücksichtigung der eben genannten Faktoren, ist die SCHOTTERBANDE also bereits für jüngere Kinder ab 6 Jahren geeignet. Wichtig an dieser Stelle ist uns noch zu erwähnen, dass nicht jedes sechsjährige Kind in diesem Alter kognitiv so weit entwickelt ist, die ganze Komplexität dieses Spieles zu erfassen. Empfehlenswert sind hier auf jeden Fall Eltern, die auf die individuellen Fähigkeiten ihres Kindes eingehen, mit spielen und erklären.

Kategorie 2: Umgang mit Geld 

Im Grundschulalter von 6 bis 10 Jahren sind die Kinder bereits kognitiv in der Lage, dass erste richtige Diskussionen über Geld akzeptiert werden und sinnvoll sind. In diesem Zusammenhang fragen sich die Kinder, für was sie ihr Geld ausgeben wollen. 

Preisvergleiche sind durch die jeweiligen Karten super möglich. Zudem müssen die Kinder Rechnen!  

Hier zwei Wunschkarten. Davon gibt es im Spiel noch viele mehr

Altersgerecht finden wir auch die „glatten Beträge“, wie 2 oder 6 Taler:

Extrawünsche? Die kann man sich auch in diesem Spiel erfüllen

Durch die Verkörperung von Helden und Schurken, lässt sich auch eine tiefergehende Diskussion über Geld beginnen. Ist es „gut“ oder „böse“? So befassen sich nicht nur Kinder mit der Thematik. Dies bringt Flexibilität in das eigene „Money-Mindset“.

Bei der SCHOTTERBANDE werden also elementare Basics wie Preisvergleiche und Rechnen zum Thema Geldumgang in dieser Altersklasse vermittelt. Darüber hinaus könnt ihr durch Diskussionen, verschiedene Spielvarianten und dem Begleitheft für Eltern (siehe nächster Abschnitt) noch tiefer in die Thematik einsteigen. 

Kategorie 3: Spiel und Spielanleitung 

Das Spiel ist ansprechend und kindgerecht gestaltet. Mit den Superhelden, Ausrüstungen und Gadgets passt es sehr gut zur Zielgruppe.

Die Spielanleitung war in der Early Prototyp sehr umfangreich und komplex. Diese wurde bereits überarbeitet. Durch die fehlenden Lesefähigkeiten und die Komplexität, richtet sie sich aber definitiv an die Eltern oder Bezugspersonen, die sich die Anleitung durchlesen und sie dann den Kindern in aller Einfachheit erklären. 

Richtig klar wird das Spielprinzip erst beim Spielen selbst. Learning by Doing eben! 

Für alle, die sich noch mehr mit der finanziellen Bildung und den Figuren auseinandersetzen wollen, hat Three Coins extra ein umfangreiches Begleitheft erarbeitet und beigelegt. Das hilft allen Beteiligten dabei, sich mehr in das Thema hinein zu fuchsen und dem Nachwuchs ebenfalls ein adäquates Geldverständnis zu vermitteln. 

Für Eltern gibt es ein ausführliches Begleitheft

Die SCHOTTERBANDE ist ein kindgerecht gestaltetes Spiel, das mit den verschiedenen Spielvarianten und dem Begleitheft viel Umfang bietet und an die individuellen Fähigkeiten und Standpunkte der SpielerInnen anknüpft.

Kategorie 4: Kinder- und Erwachsenenstimmen zum Spiel 

Wie bereits erwähnt, haben wir den Early Prototyp getestet und einen Blick auf die überarbeitete Version geworfen. Weitreichende Kinder- und Erwachsenenstimmen fehlen also leider an dieser Stelle. Jedoch möchten wir darauf aufmerksam machen, dass Anfang Mai die Crowdfunding Kampagne für die SCHOTTERBANDE startet. Ihr könnt also das Spiel unterstützen, indem ihr euch bereits eine Version des Brettspiels sichert. Hier findet ihr den Link

Fazit 

Das Spiel eignet sich für den Einstieg in das Thema Geld und auch darüber hinaus. Der Umgang mit Geld wird durch das Abwägen, die Preisvergleiche und das Rechnen mit den jeweiligen Beiträgen geschult.  Durch die verschiedenen Spielvarianten – die wir zur Einfachheit hier nicht mehr angesprochen haben – und Materialien habt ihr die Wahl, wie tief ihr in das Thema Geld einsteigen wollt. 

Das Spiel ist kindgerecht gestaltet. Die Spielanleitung ist soweit verständlich geschrieben aber durchaus komplex und richtet sich aus diversen Gründen eher an die Bezugspersonen, die den Kindern das Spiel erklären. Richtig verständlich war es – für uns – allerdings erst beim Spielen selbst.

Je nachdem, welche Spielvariante ihr wählt, können wir der Altersempfehlung „ab 6 Jahren“ entwicklungspsychologisch zustimmen. Die ersten Partien würden wir aber nicht nur Kinder spielen lassen, sondern immer einen Erwachsenen einbeziehen. Der Lerneffekt entfaltet sich nach mehreren Runden und eröffnet nicht nur Kindern, sondern Erwachsenen immer wieder neue Perspektiven und Diskussionsanlässe. 

Alles in allem ein schönes Spiel für den Einstieg in das Thema Geld, das von Klein und Groß gespielt werden kann. 

Welche Finanzbrettspiele habt ihr schon gespielt? Schreibt es gerne in die Kommentare!